Bericht zur Unternehmensverantwortung 2013
Bericht Unternehmensverantwortung 2013
Living Responsibility auf Facebook

„Analytisch & umsichtig"

Frau Birk, wie läuft ein GARD-Workshop ab?

Anna Birk: Im ersten Schritt geht es darum, alle Beteiligten, also die Mitarbeiter des Flughafenbetreibers und der Katastrophenschutz- und Zollbehörden zu sensibilisieren, was in einem Katastrophenfall am Flughafen passiert. Helfer und Hilfsgüter drängen ins Land, vor der Naturkatastrophe flüchtende Menschen strömen an den Flughafen. Von einem geordneten Betrieb kann keine Rede sein. Das haben unsere Helfer im November 2013 auf den Philippinen erlebt. Der Flughafen Mactan auf Cebu, über den die Hilfsaktion nach dem Taifun Haiyan schwerpunktmäßig abgewickelt wurde, ist ein Provinzflughafen. Normalerweise landen dort nur einige wenige Frachtmaschinen im Jahr. Während der Hilfsaktion kamen dort aber mehrere Maschinen pro Tag an.

Wie können sich Flughäfen auf diese Welle der Hilfsbereitschaft vorbereiten?

Anna Birk: Bevor konkrete Maßnahmen beschlossen werden können, muss erst eine Risikoanalyse getroffen werden. Unser Partner UNDP, also das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen, hat im Vorfeld schon ausgearbeitet, welche Naturkatastrophen in der Region drohen, und wie viele Menschen über den Flughafen versorgt werden müssen. Dann geht es darum, die logistischen Kapazitäten zu untersuchen. Dazu gibt es einen 80-seitigen Fragebogen, mit vielen wichtigen Detailfragen, die in den Workshops und in Ortsbegehungen am Flughafen geklärt werden.

Können Sie uns Beispiele für die Detailfragen nennen?

Anna Birk: Da geht es um Lagermöglichkeiten für Hilfsgüter, auch um Kühllager für Medikamente, um die Stromversorgung des Flughafens und um Kommunikationsmöglichkeiten mit der Außenwelt. Dann muss geklärt sein, welche Sicherheitsmaßnahmen es gibt, etwa zum Schutz vor Plünderungen, und wer das Recht hat, Hilfsgüter abzuholen. Zum Katastrophenmanagement gehört aber auch, dass im Vorfeld vordergründig nebensächliche Dinge geklärt sind, etwa wo und wie die oft große Zahl an Helfern am Flughafen mit Essen und Trinken versorgt wird oder wo das Pressezentrum aufgebaut wird. Das alles ist Bestandteil der Notfallpläne. Natürlich muss im Katastrophenfall trotzdem improvisiert werden. Aber durch ein planvolles Vorgehen können die Hilfsorganisationen wertvolle Zeit gewinnen.

Anna Birk ist Programm-Managerin für GARD